Zeitreise

Am 6.10.1940, an einem Sonntag Morgen in Gollnow bei Stettin in Pommern, erblickte ich das Licht der Welt. Meine Mutter war Sekretärin, mein Vater Soldat. Es war eine sogen.Kriegsehe. Zwei Jahre später wurde mein Bruder geboren. Sirenengeheul, Luft­schutzkeller, mit Kleidern ins Bett gehen, immer bereit sein zur Flucht, das sind, meine Erinnerungen an die Kleinkinderzeit. Die Welt war nicht mehr in Ordnung. Es war Winter1944. Meine Mutter, damals 25 Jahre alt, packte den Rucksack mit dem Nötigsten und verließ Hals über Kopf mit meinem Bruder und mir unser kleines Dorf…, die Russen standen vor der Tür….da war meine Kindheit zu Ende, noch ehe sie richtig begann.
35 km zu Fuß bis Stettin, dann – wenn wir Glück hatten – mit Pferd und Wagen, aber meist zu Fuß bis Krüssau. Wir schliefen unter freiem Himmel, manchmal auf Stroh in Scheunen.In Krüssau fanden wir Unterschlupf in einem alten Schloss mit der Hoffnung auf Rückkehr in unsere Heimat. Die Zeit in Krüssau war geprägt mit Angst entdeckt zu werden. Unser Traum – nach Hause – hat sich aber zerschlagen. Nach Kriegsende brachte uns ein Flüchtlingstransport nach Geislingen/Steige. Dort sollten wir unseren Vater treffen. Jetzt begann die Nachkriegszeit. Niemand wollte Flüchtlinge aufnehmen. Überall waren wir nur geduldet. Wir waren zwar Deutsche – aber eben nur Flüchtlinge – es klang wie ein Schimpfwort. Die Jahre in Geislingen sind mir in keiner angeneh­men Erinnerung – frieren – hungern – hamstern. Unser Vater war 100 % Kriegsversehrt. 1951 zogen wir nach Nördlingen. Hier bekamen wir unsere erste richtige Wohnung nach dem Krieg. Das Leben wurde etwas besser. Durch Heimarbeit hielten wir uns über Wasser. Wenigstens mussten wir nicht mehr hungern. Ich durfte sogar die Oberschule besuchen. Jetzt konnten wir nochmal Kind sein. Ich liebte den Sport, die Musik und Geschichte.
Nach der Mittleren Reife suchte mein Vater mir eine Lehrstelle. Damals war das so. Ich wollte eigentlich Diakonisse werden – für andere da sein. Es hieß: erst was Richtiges lernen, dann kannst du machen was du willst.
Es kam alles ganz anders: 1962 habe ich dann geheiratet. 1963 wurde unsere Tochter geboren, 1968 kam unser Sohn Bernd auf die Welt und 1977 unser Nachzügler Tobias – und mit ihm veränderte sich mein ganzes Leben. Ich liebe Kinder und ich war sehr glücklich und total ausgefüllt. Die beiden “Großen” wuchsen mir langsam aus der Hand. Da entdeckte ich meine Liebe für die Tiere. Daran war mein Sohn Tobias nicht ganz unschuldig. Hier im Noerdlinger Tierheim lernte ich das Leid der Tiere kennen. Täglich wollte Tobias Tiere streicheln. Die Sorge um die Tiere ließ mich nicht mehr los. Ich fand keine Ruhe mehr. Von da an kümmerte ich mich um die Tiere im Nördlinger Tierheim, besuchte die Fachakademie in Neubiberg und über­nahm 1992 die Leitung. Durch die Prüfung konnte ich jetzt eigenverantwortlich und selbstständig ein Tierheim leiten. Das Wunderbare dabei ist, dass meine Familie meine Arbeit gut findet und mich tatkräftig unterstützt. Inzwischen habe ich vier Enkelkinder, und alle fühlen sich bei den Tieren wohl. Jetzt bin ich 68 Jahre alt. Was sagt Udo Jürgens??? Mit 66 ist noch lang noch nicht schluss. Ich mache meine Arbeit ehrenamtlich – 7 Tage in der Woche – seit 17 Jahren. Ich danke Gott, dass es meiner Familie und mir so gut geht. Wir haben nichts Besonderes – kein Haus – kein Vermögen – wir haben uns.
Das große Glück ist, ich habe noch meine Mutter. Sie ist jetzt 91 und hat viel mitgemacht. Wir beide hatten auch Jahre in denen wir uns nicht “grün” waren. Sie war ziemlich krank. Jetzt braucht sie mich sehr und freut sich täglich auf mein Kommen. Man kann sagen: Wir haben uns jetzt erst richtig kennen gelernt. Unsere Gespräche wandern in letzter Zeit immer wieder in die Vergangenheit. Das bringt das Altern so mit sich und es tut uns beiden gut.
Das ist oder war in groben Zügen mein Leben. Ich hatte schon lange das Bedürfnis darüber zu schreiben. Viele Gedanken sprudeln durch den Kopf. Über die 17 Jahre im Tierheim in Nördlingen an der Schwallmühlstraße könnte ich sicher noch ein zweites Buch schreiben – aber mir fehlen eben oft die Worte….

Januar 2009: Jetzt ist es soweit – mein drittes Leben hat begonnen. Man sagt Katzen hätten mehrere Leben – ich bin wohl Eine von Vielen. Jetzt habe ich Zeit – sehr viel Zeit – über mein zweites Leben zu berichten. Die Tiere, d.h. die Arbeit im Tierheim war mein Lebensinhalt – praktisch mein zweites Leben. Das Tierheim war 17 lange Jahre mein zweites Zuhause, Tag für Tag, kein Urlaub, kein Feierabend – es waren die besten Jahre meines Lebens. Der liebe Gott geht manchmal wundersame Wege, Wege die man nicht verstehen kann und will – aber es hat alles seinen Sinn. Ich glaube fest daran. In jedem Neuanfang liegt auch eine Chance.

ANGEKOMMEN . . . jetzt bin ich richtig angekommen in meiner zweiten Heimat . . .

Dahoam ist dahoam

. . . deswegen liebe ich dich “Nearle” . . .weil du bist, wie du bist . . . dein ganz besonderes Flaire, dein besonderer Reiz, deine Ausstrahlung und dann deine Mauern, Gänge und Türme . . . eine Magie geht von dir aus . . .

Bei einer Wanderung durch die Altstadt wird man gefangen genommen von der Magie der Vergangenheit: das Mädchen, die Mutter und die Greisin, eine Stadt mit Geschichte. Sie war zuerst da, die Greisin, und hat Geschichte geschrieben. Viele Geschichten – um Krieg und Frieden, um Verfolgung, Lügen, Mord und Totschlag. Das sind Geschichten und Legenden in und um Nördlingen, die nie vergessen werden. Die alten, romantischen Häuser, Straßen, Gassen und Brunnen sprechen Bände.
Die Mauer rund um die Altstadt hielt und hält noch heute alles zusammen. Tritt man durch eines der fünf Tore beginnt die Zeitreise ins Mittelalter . . .

Die Legende mit dem ausgebüchsten Schwein durch eines der Stadttore vor vielen hundert Jahren – wer kennt sie nicht. Damals, so erzählt man, hat sich ein Torwächter von Dieben bestechen lassen und das Tor nicht ganz geschlossen. Durch eine Frau, wie könnte es auch anders sein – sie wollte ihren Mann von der Gastwirtschaft abholen – wurde aber alles noch rechtzeitig entdeckt, der Torwächter gefangen genommen und gefoltert, d.h. . . gevierteilt. Ja so war das damals, so hart waren die Strafen. Übrigens, seine Frau wurde ertränkt, so heißt es. Darum noch heute zur Erinnerung der Ruf des Türmers abends ab 22 Uhr jede halbe Stunde “so G`sell so”, was wohl heißt: du Schlingel.

Apropos Foltern – der Hexenwahn in Nördlingen . . . zum Ende des 16. Jahrhunderts wütete in Nördlingen der Hexenwahn. Der Teufelskreis aus Folterungen, Geständnissen und Prozessen erfasste die einfachen Leute bis hinauf zu den angesehenen Bürgern und wurden am Ende zum Scheiterhaufen verurteilt. Maria Holl, die schöne und selbstbewusste Kronenwirtin, hat dem Wahn 1693 ein Ende gesetzt. Bis heute wird sie als Volksheldin verehrt. Damals hat sie durch ihre Tapferkeit viele Menschenleben gerettet und viele Familien vor unbeschreiblichem Elend bewahrt.

Das Mittelalter hat viel zu erzählen – auch von Kriegen – Belagerungen – Niederlagen und Siegen . . . aber jetzt will ich weg von der Greisin, von anno dazumal, von vorgestern – jetzt will ich in die Zeit der Mutter eintauchen. Ich sehe es als meine Zeit und überspringe dabei sicher eine ganze Menge Geschehen – aber eigentlich möchte ich ja vom Gestern und vom Heute in dieser heimeligen Kleinstadt berichten und von meiner Liebe zu ihr. Meine Schulzeit, sie begann hier in Nördlingen 1950 – ohne Tatzenstock – aber mit Schmiere stehen vor dem Klassenzimmer. Rock`n Roll in der Schule, auf den Bänken, auf den Tischen, in der Pause, überall . . . Bill Haley, Elvis Presley usw. . . . damals trugen wir nur Röcke, Kleider – und die flogen und flogen . . . es war super, es war toll “sie kommt” – und schon saßen wir wieder ganz artig, atemlos und erhitzt in userer Bank.

Warum liebe ich “Nearle”? Dazu gehört das Kopfsteinpflaster, der Viehmarkt inmitten der Stadt an der Schranne. Dieses Geschrei, Geblöke, Gequietsche beim Entladen der Tiere und beim Verkauf per Handschlag. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern – an die Rieser Bauerntracht, an das viele Stroh und dann der viele Mist – und das inmitten der Stadt. Das war der ganz besondere Duft, das Urige der Rieser Landwirtschaft.

Warum liebe ich “Nearle”? Dazu gehört auch die “Nördlinger Mess”. In meiner Jugendzeit fand dieser Jahrmarkt noch innerhalb der Mauern statt. Karussells, Händler, Marktschreier und alles was zu so einem Jahrmarkt gehört . . . alles war in der Stadt. In der Mittagspause ein Bummel und am Feierabend ein Bummel durch die Messbuden. Ja das war schon eine besondere Zeit. Jetzt gibt es keinen Viehmarkt mehr und die Mess ist draußen vor den Toren auf der Kaiserwiese. Dafür gibt es heute viele andere Märkte in der Fußgängerzone, in jeder Woche und in jeder Jahreszeit.

Warum liebe ich “Nearle”? Es war und ist hier wirklich eine Menge los . . . das Stabenfest, ein Fest für die Kinder – dann der sagenhafte Natur – Eisplatz am Bäumlesgraben, und unser herrlich gelegenes Freibad an der Marienhöhe.

Es gibt so viel über Nördlingen zu erzählen, nur ich fürchte, je mehr ich schreibe, je früher hören Sie auf zu lesen . . . und das soll nicht sein.

Noch eines ist ganz wichtig: meine große Liebe, das Ries, die herrliche Landschaft mit ihren Tälern und Höhen, Burgen und Schlössern, mit ihren Bächen und Flüssen, ihren vielen Wanderwegen, Pilgerpfaden . . . dieser natürliche Mantel, welcher die Stadt Nördlingen geheimnisvoll umhüllt . . . wenn dieser Mantel der Natur nich wäre, ja dann . . . ich weiß nicht so recht und will auch garnicht darüber nachdnken. Nördlingen ist für mich “DAHOAM” . . . darum liebe ich Nördlingen.

Das nächste Mal erzähle ich Ihnen etwas über den geheimnisumwobenen Daniel, dem Nördlinger Wahrzeichen, von der Katze Wendelstein und von den Rieser Störchen auf dem Brot – und Tanzhaus . . . bis dahin “pfuit di” (Gott behüte dich) 31.Mai 2010

JULIUS du kannst kommen – eine Strecke meines Lebens holt mich ein . . .

RUECKBLICK

In ganz besonderer Erinnerung ist mir die wundersame Rettung von der zarten Mischlingshündin Tami: ZWEI Tage und zwei Nächte irrte die Kleine zwischen dem Nördlinger Sportpark und Reimlingen umher. Es war tiefer Winter und klirrende Kälte. “Tami” – so haben wir sie getauft – suchte menschliche Nähe, hatte aber trotzdem grosse Angst und lief bellend immer weiter. Nachlaufen hatte also keinen Sinn. Stundenlang versuchten wir das schüchterne “Mädchen” anzulocken und einzukreisen. Auch das Narkosegewehr kam zum Einsatz. Die Entfernung war jedoch für einen sicheren Schuss zu gross. Immer wieder fuhren meine Kollegin und ich zum Ort des Geschehens, liefen über die Felder und suchten in den Büschen….nichts….nach Einbruch der Dunkelheit jedoch mussten wir aufgeben.
Dann endlich am Freitagnachmittag stand die “Zarte” wieder da. Sie war ausgehungert und doch schon ziemlich müde. Jetzt musste es schnell gehen: Beruhigungsmittel vom Tierarzt ins Hackfleisch gemischt, die Futterschüssel mitten auf den Acker gestellt – und nichts wie weg. Wir hockten uns in einiger Entfernung und warteten…warteten…..und dann…..es dauerte, aber dann ging Tami langsam, neugierig und sehr hungrig zur Futterstelle….und siehe da, sie fing an zu futtern, ziemlich hastig. Unsere Erleichterung war riesengross. Tami wurde ruhiger und ruhiger, wir konnten uns ganz still und langsam nähern – um den Hals trug sie ein dickes Stachelhalsband – mit den Stacheln nach innen. Wer tut so etwas bei einem so zierlichen Geschöpf? Plötzlich legte sie ihren Kopf an meine Hand – ich spürte ihren Atem und es gelang mir, das zitternde Bündel anzuleinen und zum Auto zu führen.
Tami hat sich nach ihrer Rettung völlig verwandelt. Das Stachelhalsband ist sie losgeworden und aus dem verängstigten Mädchen wurde eine anhängliche, fröhliche und selbstbewusste Hündin – von Flucht war keine Rede mehr. Wenn Tami erzählen könnte…....Inzwischen hat die Liebenswerte ein wunderbares Zuhause gefunden – praktisch einen Sechser im Lotto.

HUND abzugeben – eine fast alltägliche Geschichte aus dem Tierheim:

Am Empfang eine Frau in den besten Jahren, ehrenamtliche Tierheimleiterin, so resolut, wie man auf diesem Posten zu sein hat und so kritisch, wie man wird, wenn man sich Tag für Tag versteckte Lügen anhören muss. Im Eingang eine bürgerliche Familie – Vater, Mutter, Kind und Hund. Die Eltern mit ernstem Gesicht, der Hund ein gut gehaltener, gut genährter, nicht zu grosser Mischling. Der Bub ist vielleicht sechs Jahre alt. Mit einer Hand klammert er sich an das Hundeohr und weint still vor sich hin…..-”bitte?” Der Blick der Heimleiterin wandert von Mann zu Frau, sieht nicht nur, sondern macht sich ein Bild.
“Wir wollen den Hund abgeben.” – “warum?” – “er hat ein Kind gebissen!” – Pause -”wieso? das Kind ist doch noch da?! – wütende Blicke der Eltern. “Ich meine doch nur, wenn der Hund das Kind gebissen hätte – dann wäre es doch im Krankenhaus oder es hätte mindestens Kratzer, blaue Flecken -?” Im Gesicht der Leiterin zuckt es – die Mienen der Eltern sind starr – das Kind ist unglücklich. “Kommen Sie rein”———soeben wurde ein Unschuldiger inhaftiert -!

Szenen wie diese finden tatsächlich im Auffanglager Tierheim für die abgeschobenen “besten Freunde” der Menschen statt.

SIEBZEHN JAHRE TIERHEIM. In dieser langen Zeit ist eine Menge passiert und irgendwo war immer ein tierischer Notstand:

  • Hund im Wald an Baum gebunden
  • alter Hund in Kläranlage gefallen
  • 30 Hunde allein gelassen – ohne Futter und Wasser
  • abgemagerten Hund im Schuppen versteckt
  • 20 kranke Katzen im Haus eingesperrt
  • heruntergekommene Schafe, abgemagerte Pferde ohne Futter und ohne Wasser im Kot
  • über 60 Hasen in fensterlosem Verließ auf engstem Raum
  • kupierte Katzen im Hasenstall
  • Hunde in der Silvesternacht verirrt
  • bei 20 Grad minus Hund hinter Schuppen angebunden und ausgesetzt

und vieles mehr, der Platz würde nicht reichen…........

TIERE BRAUCHEN MENSCHEN _ MENSCHEN BRAUCHEN TIERE
Egal welche Tageszeit. Sei es Samstag oder Sonntag, Weihnachten oder Ostern. Wenn Not ist, sind wir da. Die Not kennt keine Uhrzeit und macht auch nicht Ferien.
Wir machen unsere Arbeit aus innerer Berufung und freuen uns, wenn ein Geschöpf wieder ein neues Zuhause gefunden hat. Dann hat alles seinen Sinn.

TIERPFLEGER – EIN TRAUMBERUF?

Tierpfleger – sicherlich hat dieser Beruf für viele Jugendliche eine starke Anziehungskraft. Besonders Mädchen können es sich meist gut vorstellen, mit Tieren zu arbeiten, für sie zu sorgen und sie zu pflegen. Aber wer weiß eigentlich so genau, was ein Tierpfleger so macht und was man für diesen Beruf an Voraussetzungen braucht?

WAS MACHT EIN TIERPFLEGER EIGENTLICH IN SEINER ARBEITSZEIT?

Die meiste Zeit geht für das Reinigen der Gehege und Stallungen drauf. Ein Tierpfleger darf keine Angst davor haben, sich die Hände schmutzig zu machen. Ihm darf auch nichts “tierisches” fremd sein – und er muss zupacken können, darf sich nicht ekeln und erst recht nicht geruchsempfindlich sein. Etwa 80% seiner Arbeitszeit verbringt er mit Schrubben, Harken, Fegen, Kot einsammeln und ähnlichen Reinigungsarbeiten. Diese Routinearbeit muss täglich immer wieder mit der gleichen Sorgfalt erledigt werden. Der Tierpfleger muss damit leben können, dass es eine Viertelstunde nach Verlassen des Geheges schon wieder genauso aussieht wie vorher.
Mehrere Stunden bei drückender Hitze arbeiten sind genauso “tägliches Brot” wie Stunden auf den Freianlagen bei klirrender Kälte oder Dauerregen. Körperlich harte Arbeit bei Wind und Wetter gehört nun einmal dazu.
Regelmäßige Wochenend- und Feiertagsarbeit ist ein Muss. Auch am Sonntag oder an Weihnachten haben die Tiere Hunger und möchten in einem sauberen Gehege leben! Zahlreiche, oft nicht planbare Überstunden bei der Versorgung kranker Tiere oder bei der Handaufzucht von Jungtieren sind Normalität.
Der Tierpfleger übernimmt die volle Verantwortung für das Wohlergehen der ihm anvertrauten Tiere. Er muss seine Tiere gut kennen, ihr Verhalten einschätzen und bewerten können und erkennen wann Handlungsbedarf besteht.

TIERHEIME BRAUCHEN UND SUCHEN MITARBEITER MIT SOLIDER AUSBILDUNG, EINEM GROSSEN HERZ FÜRS TIER UND EINER GUTEN HAND FÜR SCHWIERIGE TIERE.

Tierpfleger – seine Schwäche ist seine Stärke – mit Gefühl für arme Tiere

In diesem Beruf findet derjenige seine Lebensaufgabe, der einen besonderen Draht zu Hunden hat, mit ihnen umzugehen weiß und diese gewisse Autorität besitzt, die selbst dominante Rüden anerkennen. Allerdings gehört noch einiges mehr dazu: Tugenden wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Verantwortungsgefühl, Aufmerksamkeit, handwerkliches Geschick und – je nach Arbeitsplatz – auch Menschenkenntnis. Denn wo Tiere sind, sind auch Menschen. Im Tierheim hat man es mit ziemlich vielen, sehr unterschiedlichen Menschen zu tun. So braucht ein Tierheimmitarbeiter Geschick im Umgang mit Menschen und ein dickes Fell obendrein, da er auch mit verantwortungs – und gedankenlosen Tierhaltern zu tun hat, denen er höflich entgegentreten muss, auch wenn es nicht immer leicht ist.



DIE GANZ BESONDERE GESCHICHTE

Die innige Liebe meines Freundes Matthias zu seinen Weggefährten -ELLI, das hilflose Katzenkind, erst 4 Wochen alt und SISSI, die ältere Labrador-Mischlingshündin.


Am 5.Februar 09 ist SISSI über die Regenbogenbrücke gegangen. Es liegt mir sehr am Herzen über das letzte Jahr von Sissi zu erzählen.
Sissi, Jessy und 9 Katzen durchlebten das Schicksal wie viele Tiere auf der Welt. Sie wurden bedenkenlos angeschafft, recht und schlecht versorgt, nie einen Tierarzt gesehen. An Futter war kein Mangel, aber trotzdem falsche Tierliebe. Das Frauchen starb und da waren nun die Armen – wohin mit ihnen? Die Erben hatten kein Interesse an den beiden Hunden und den vielen Katzen, denn Tiere kosten Geld. Wie recht sie hatten. Ab ins Tierheim, das war und ist immer noch die schnellste und bequemste Lösung. Für Sissi, Jessy und die Katzen ein trauriges Schicksal. Aber wie gesagt, das Schicksal vieler Tiere auf der Welt.

Sissi und Jessy lebten sich im Tierheim schnell ein. Sie durften zusammen in einem Schutzraum wohnen. Zwinger mag ich nicht sagen. Zwinger heißt bezwingen, sie sind unschuldige Mitgeschöpfe und sollen bezwungen werden, WARUM?

Sissi und Jessy waren sehr bald die Lieblinge aller Pfleger, Kinder und Besucher. Sie hatten viele Freunde – ABER die Vermittlung in neues Zuhause war sehr schwer, denn sie waren nicht mehr jung.

Dann geschah ein kleines Wunder. Schutzengel haben sich auf den Weg gemacht und Paten gesucht – und auch gefunden. Im Februar kam der befreiende Anruf: kann ich bei Ihnen für einen Hund die Patenschaft übernehmen? Kann ich den Hund auch ab und zu mitnehmen? JA, JA, kommen Sie zu uns, besuchen Sie uns.
Und er kam zu uns ins Tierheim – gerollt – Matthias. Matthias, der grosse Hundefreund – der Mann mit dem grossen Herzen, ein Herz für Tiere – hat sich in Sissi verliebt und Sissi sich in ihn. Es war Liebe auf den ersten Blick…...das ist das erste Kapitel, der Anfang von der besonderen Geschichte und noch längst nicht der Höhepunkt, noch längst nicht zu Ende.

Matthias und Sissi wurden ein Team, ein Dream-Team. Die schwarze Hündin, mit dem treuen Hundeblick, möchte selbst erzählen, über ihre Gefühle, ihre Gedanken und das grosse Glück den Partner für den Rest des Lebens gefunden zu haben:

SISSI erzählt:
Mein Herz ist voll Dankbarkeit. Plötzlich hat sich mein Leben völlig verändert. Da kam jemand angerollt, rief “Sissi” und meinte tatsächlich mich. Er schaute mich an – unsere Blicke trafen sich – freundliche braune Augen mit einem fragenden Lächeln: magst du mit mir laufen? Er meinte mich….na und ob ich will, natürlich wollte ich mit ihm laufen… Matthias, sein Rollstuhl und ich. Am Anfang war das schon gewöhnungsbedürftig – aber ich bin ja ein kluger Hund. Es kam eine ganz besondere Zeit für mich. Täglich und immer um die gleiche Uhrzeit spürte ich in meinem Inneren ein angenehmes Gefühl – da stand er wieder vor meinem Gitter – dieser Rollstuhl – und dieselbe freundliche Stimme rief “Sissi” und dann rollten wir wieder los. Ach war das schön: der Matthias, sein Rollstuhl und seine Fee….Tag für Tag und Woche für Woche.

Dann kam der Tag, den ich nie vergessen werde. Matthias hatte etwas ganz besonderes vor – das erste gemeinsame Wochenende. Was war das für eine Aufregung in meinem Hundeherzen – und auch im Herzen meines neuen Freundes. Wir wollten es ganz genau wissen. Werden wir es schaffen in einer WG?....in einer Wohngemeinschaft – Matthias und ich?

Und sie schafften es. Es war ein Jahr voller Veränderungen für Matthias und für Sissi, ein Jahr voller Glück und tiefer Freundschaft. Warum sage ich “es war”? Sissi wurde krank, sehr krank. Der Krebs breitete sich in ihrem Körper aus . . . und sie ging still über die Regenbogenbrücke . . .

Sissi ließ ihren besten Freund aber nicht allein . . . sie schickte Pinao auf den Weg, eine helle Labradorhündin, eine schüchterne, ängstliche Hündin aus sehr schlechter Haltung mit einer schlimmen Vergangenheit. Sie hat jetzt den Platz von Sissi eingenommen.
Pinao fühlte sich von Anfang an neben dem rollstuhlfahrenden Matthias “pudelwohl” – nur mit uns, die wir täglich bei Matthias ein – und ausgehen, wollte sie lange kein Vertrauen aufbauen. Es war ein anstrengendes Jahr für uns alle. Aber unsere Mühen und unsere Ausdauer haben sich gelohnt. Inzwischen hat Pinao sich prächtig entwickelt. Sie ist eine lebenslustige, ausgeglichene und fröhliche Begleiterin auf meinen täglichen Wanderungen. Pinao hat ihre Vergangenheit abgelegt und genießt das Leben dankbar mit ihrem besten allerbesten Freund.